schwarzweissgruen

Ueber Borussia Moenchengladbach. Ueber Alles. Ueber Nichts.

Ueber den Trainer.

Allenthalben wird Lucien Favre nachgesagt, mit der aktuellen Transferpolitik der Borussia unzufrieden zu sein. Das tatsächlich merkwürdige Gebahren rund um den Transfer der Japaners Otsu wird ebenso ins Feld geführt, wie die sinngemäße Aussage des Schweizers, stünden ihm Millionen Euro zur Verfügung, würde er schon wissen, was für Spieler zu verpflichten sein. Schließlich wird noch jedes Mal der Vergleich zu Favres unrühmlichen Ende bei Hertha BSC bemüht.

Dabei war die damalige Situation ein gänzlich andere. Eine Mannschaft, die in der Vorsaison für Furore sorgte, und bis kurz vor Schluss überraschend um die Meisterschaft spielte, verlor in Pantelic und Voronin den gesamten Sturm (der Ersatz hieß Artur Wichniarek..), sowie in Simunic die Stütze der Abwehr. Ein solcher Aderlass wäre, auf die Situation Borussias umgemünzt, vergleichbar mit den gleichzeitigen Abgängen von Dante, Arango und Reus. Doch, Dantes Abwanderungsgedanken hin oder her, bleiben diese Spieler dem Verein erhalten. Und so kann Favre sich auf eine Mannschaft berufen, mit der zusammen er in der vergangenen Rückrunde einen respektablen 7.Platz verdiente. Dazu darf der Verkauf Bradleys als gesichert gelten; wird Favre wohl freie Hand haben, die erlöste Summe in einen Spieler seiner Wahl zu reinvestieren.

Auf diesen Transfererlös angewiesen zu sein, liegt zum Einen in der vielzitierten Vorleistung, die in der Winterpause durch die Verpflichtungen von Stranzl, Nordtveit und Hanke getätigt wurden, zum Anderen an der Selbstverpflichtung des Vereins, nur auszugeben, was vorher oder absehbar eingenommen wird. Favre wird dies natürlich gewusst haben, als er den Posten übernahm. Jeder Versuch, ihm den Wunsch nach besseren Spielern, der für einen ambitionierten Trainer nur natürlich sein muss, als Kritik an den Möglichkeiten der Borussia auszulegen, kann demgemäß nur als plumper Versuch gewertet werden, Meinung zu machen. 

Die Wirren um den Otsu-Transfer allerdings muten tatsächlich seltsam an. Nun ist die Bandbreite der Lesarten vielfältig. War es das verbale Understatement, welches Favre veranlasste sich zunächst skeptisch über die Verpflichtung des Japaners zu äußern, und nun für einen womöglich günstigeren Abschluss sorgte? Oder doch ein Transfer Eberls, über den Kopf seines Trainers hinweg? Bei Lichte betrachtet scheint es eine Mischung aus beidem. Favre, der sicher per se nichts gegen einen Transfer Otsus hat, mag wohl gefürchtet haben, mit der Verpflichtung das Budget für seinen erhofften zentralen Mittelfeldspieler reduziert zu wissen. Eberl wird ihm diese Zweifel ausgeräumt haben. Das allerdings ist bloße Spekulation. So oder so, die Außendarstellung in diesem Fall war sicherlich nicht glücklich. Bleibt zu hoffen, dass sich über den Japaner bald sagen lässt, was bereits sicher über die angeblichen Zweifel Favres zu sagen bleibt: Kein Grund zur Sorge.