Ueber Transfers.
Verfolgt man die jüngste Berichterstattung um die Borussia, mag sich schnell das Bild einstellen von einem Verein, dessen aktueller Kader in der bestehenden Form nicht wettbewerbsfähig, und dessen finanzielle Situation schwerlich dazu angetan ist, daran etwas zu ändern. Dazu ein Trainer, der sein Entsetzen darüber nur schwer verbergen mag. Die bereits fixen Transfers werden als blauäugig abgetan. Was aber ist dran an diesem Bild?
Der aktuelle Kader, mitsamt der Wintertransfers und Stammspieler Stranzl, Nordtveit und Hanke, hat es in der Rückrundetabelle der vergangenen Saison dabei mit stolzen 26Pkt. immerhin auf einen 7.Platz geschafft. Zieht man die Punkteausbeute unter Lucien Favre heran, wäre die Borussia mit 57Pkt mit nur 1Pkt. Rückstand auf Mainz gar 6. geworden..
Natürlich lässt sich diese Rechnung bei gesundem Verstand so nicht anstellen. Aber die satten 10Pkt. Vorsprung, die sich in der Rückrundentabelle auf den Relegationsplatz ergeben, lassen doch erkennen, dass die Qualität der Mannschaft entschieden zu hoch ist, um dauerhaft und zwangsläufig gegen den Abstieg spielen zu müssen. Mit Dante und Stranzl hat man eine Innenverteidigung, die absolut gehobenen Ansprüchen genügt. Filip Daems, der sich in der Rückrunde erstaunlich steigerte, und wohl mit am meisten vom neuen Trainer profitierte, hat in Oscar Wendt mehr als starke Konkurrenz bekommen, so dass diese Position ebenfalls als gut besetzt gelten darf. Auf der rechten Verteidigerposition ist die Viererkette sicher am schwächsten besetzt. Jantschke machte seine Sache allerdings solide, verdrängte so, ohne dass man ihn groß vermisst hätte, einen Tobi Levels, dem von Fan-Seite, vor allem ob seines kämpferischen Einsatzes, noch stets die wenigsten Vorhaltungen gemacht wurden. Mit Zimmermann hat man nun einen Konkurrenten für diese Position gefunden, der sich in etwa auf dem Niveau Jantschkes bewegen dürfte. Über die Mittelfeld-Außen, Arango und Reus, braucht es keine großen Worte; beides weit überdurchschnittliche Spieler. Die Alternativen Herrmann, Dowidat, Otsu, King und Rupp lassen allerdings mehr hoffen, als dass sie beruhigen. Gleiches gilt für das defensive Mittelfeld. Mit Nordtveit scheint man gut aufgestellt. Von Neustädter muss man sich noch immer mehr erhoffen. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, wird sich erst zeigen müssen. Geht man davon aus, dass Bradley den Verein noch verlässt, steht mit Marx nur eine Alternative parat, die, gemessen an den Erfahrungen der letzten Saison, keine sein sollte. Auch der Umstand, dass mit Rupp, Zimmermann und Jantschke im Notfall Spieler auf die 6 verschoben werden könnten, überzeugt nicht wirklich. So muss auf dieser Position noch am dringendsten gehandelt werden. Dass dies geschieht, sobald Bradley sich verabschiedet hat (und das wird er), darf als gesichert gelten. Im Sturm hingegen ist man, trotz einiger Unwägbarkeiten, vernünftig besetzt. Ob nun Bobadillas Knoten platzt, sich de Camargos Gesundheit hält oder nicht. Mit Hanke, der neben Daems den größten Schritt und Favre gemacht hat, als zentralem Stürmer, den erwähnten Fragezeichen in der Hinterhand, und einem Leckie, der in der Vorbereitung einen starken Eindruck hinterlassen hat, sollte man, eine entsprechende Mannschaftsleistung vorausgesetzt, stets in der Lage sein die gegnerische Defensive zu beschäftigen.
Nun offenbaren sich also vor allem im Mittelfeld gewisse Lücken. Diese zu füllen wäre wüschenswert. Betrachtet man die erste Elf, und lässt also außen vor, dass man für Arango nur talentierten, keinen bewährten Ersatz hat, bleibt das ‘Problem’ offensiver 6er. Hier muss und wird wie erwähnt erst nach dem Transfer Bradleys gehandelt werden. Das ist allein schon deshalb vernünftig, da sich ein nicht-verkaufter Bradley, der auf der Bank sitzt (und das würde er wohl, käme ungeachtet seiner Person ein ‘Neuer’), schlecht ausnimmt. So bleibt in Bezug auf die Qualität der Mannschaft festzuhalten, dass sowohl Qualität als auch Quantität durchaus ansprechend sind. Wie die Lösung für die ‘Sechs’ aussehen wird, bleibt indes zunächst abzuwarten.
Nun wird bemängelt, und auch dem Trainer zur Beschwerde angedichtet, der Verein nehme nicht genug Geld in die Hand. Die Führungsriege, die stets stolz (und vlt. tatsächlich etwas zu stolz) proklamiert, der Verein sei gesund, aber nicht reich, wird kritisiert. Zu Unrecht. Mit Bezug des Borussia-Parks gab der Verein pro Jahr im Schnitt 2,2Mio Euro mehr für Transfers aus, als er einnahm. Geld, welches aus dem jeweiligen Geschäftsjahr zunächst verdient werden muss und wird, ohne in die Schulden zu geraten. Die Folge: Es müssen keine Spieler verkauft werden. Wie Eberl und Geschäftsführer Schippers in den letzten Tagen zurecht anmerkten, hätte man natürlich auch Reus und Dante veräußern können, für sicherlich an die 20Mio. Euro, und damit mit Übrigen nachgewiesen, bei Transfers nicht nur Geld zu ‘verbrennen’. Der wirtschaftlich gesunden Lage des Vereins sei Dank ist die allerdings keinesfalls nötig. Und so belegt die Borussia, da sie keine Schuldenberge abtragen musste, mit 550.000,-€ Transferausgaben den 10.Ligaplatz in dieser Kategorie. Das klingt nicht spektakulär, steht aber für Nachhaltigkeit und Solidität. Dass der Fan sich mit solch drögen Vokabeln nicht aufhalten mag, ist sein gutes Recht, wenn nicht seine Pflicht. Doch steht der Verein bei Lichte betrachtet auf einer gesunden, vernünftigen Basis. Die Kontinuität, von der so lange nur gesprochen wurde, scheint nun tatsächlich möglich.
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neun-drei hat diesen Eintrag von schwarzweissgruen gerebloggt
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von schwarzweissgruen gepostet